Schwermetallgehalte in Güllen und gütegesicherten flüssigen Gärprodukten aus Bioabfall

Erste, orientierende Bewertung bzgl. der Schwermetallgehalte von Güllen aus dem konventionellen (KLB) und aus dem ökologischen Landbau (ÖLB) sowie von Flüssigen Gärprodukten (FGP) aus Bioabfällen

Im Rahmen der Netzwerkarbeit taucht immer wieder die Frage auf, ob mit Komposten oder flüssigen Gärprodukten (FGP) aus Bioabfällen nicht zu hohe Schwermetallfrachten auf landwirtschaftliche Böden ausgebracht werden. Einerseits unterliegen gütegesicherte Komposte und FGP ja sowohl den Grenzwerten der Bioabfallverordnung als auch – im Falle einer Ausbringung auf Ökoflächen – denen der EU-Ökoverordnung (EU-ÖkoV) bzw. denen der Verbandsrichtlinien. Andererseits taucht dann häufig als zweite Frage auf, welche Schwermetallgehalte im Vergleich dazu eigentlich flüssige Wirtschaftsdünger (Güllen) aufweisen.

Das Ingenieurbüro ISA hat daher eine erste, orientierende Bewertung bzgl. der Schwermetallgehalte von Güllen aus dem konventionellen (KLB) und aus dem ökologischen Landbau (ÖLB) sowie von FGP aus Bioabfällen, die den Vorgaben der EU-ÖkoV entsprechen, durchgeführt. Basis hierfür waren fünf veröffentlichte Analysenserien zu Güllen KLB (Rind und Schwein) und zwei zu Güllen ÖLB (Rind) aus den Jahren 2004-2014 sowie Daten zu FGP aus der RAL-Gütesicherung 245 der BGK/GGG aus dem Jahr 2024.

Übersicht zu den Schwermetallgehalten in Güllen verschiedener Tierarten bei konventioneller bzw. ökologischer Tierhaltung im Vergleich zu gütegesicherten flüssigen Gärprodukten (FGP) nach RAL-GZ 245 mit Eignung für den Ökolandbau

Im Vergleich zu den Vorgaben der EU-ÖkoV für FGP aus Bioabfällen weisen sowohl die Rindergüllen ÖLB der zweiten Untersuchungsserie als auch die nach EU-ÖkoV für den ÖLB geeigneten FGP im Mittel deutlich unter den Grenzwerten liegende Gehalte bei den meisten Schwermetallen auf (Ausnahme Cd bei Güllen ÖLB, s. u.). Dies gilt auch für Güllen KLB bei Pb, Cr, Cd und Ni, nicht jedoch bei Cu und Zn. Für die beiden letztgenannten Parameter zeigen die herangezogenen Analyseserien die bekannten, im Wesentlichen fütterungsbedingt z. T. extrem hohen mittleren Gehalte auf, die um ein Mehrfaches über den Grenzwerten der EU-ÖkoV für FGP liegen.

Entsprechend vorgenannter Datenlage zeigen die durchschnittlichen Schwermetallgehalte bei Gülle ÖLB der zweiten Untersuchungsserie für die Parameter Pb, Cr, Ni, Cu und Hg gegenüber den Grenzwerten der EU-Ökoverordnung mittlere Ausschöpfungsraten von lediglich 6-43 %. Bei FGP liegen die Ausschöpfungsraten für o. g. Metalle und zusätztlich auch für Cd mit 17-47 % in einem ähnlichen Bereich. Demgegenüber ist eine grundsätzlich andere Situation für Zn zu konstatieren. Hier liegen die mittleren Ausschöpfungsraten bzgl. des FGP-Grenzwerts der EU-Ökoverordnung bei 80-85 %. Dies trifft sowohl für die Rindergüllen ÖLB der zweiten Untersuchungsserie als auch für die FGP zu.
 
Weiterhin schöpfen die mittleren Cd-Gehalte der Rindergüllen ÖLB aus beiden herangezogenen Untersuchungsserien den Grenzwert der EU-Ökoverordnung aus. Auch wenn die o. g. Schwermetallgrenzwerte ausschließlich für FGP gültig sind, wird aus fachlichen Gründen empfohlen, hierzu weitere Recherchen durchzuführen, um eine belastbare Datenlage aus neueren Analysen herzustellen.

Insgesamt zeigt diese erste orientierende Datenzusammenstellung, dass die FGP nicht grundsätzlich höhere Schwermetallgehalte aufweisen als die Güllen ÖLB und damit seitens der Schwermetallbelastung problematisch wären.

Befüllung von Tanktransportern mit flüssigem Gärprodukt einer Biogutvergärungsanlage
Umpumpen von flüssigem Gärprodukt aus dem Transportfahrzeug in das Ausbringfahrzeug am Feldrand