Kompost zum Anfassen: Herstellung, Qualität und Einsatz in einer nachhaltigen Landwirtschaft

Wie entsteht aus den Inhalten der Biotonne ein hochwertiger Kompost, und wie lässt sich dieser sinnvoll in der Landwirtschaft einsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden bei einer Veranstaltung des Netzwerks hessische Landwirtschaft und Kompostwirtschaft (NÖK Hessen) auf der Kompostierungsanlage Alsbach-Hähnlein des Zweckverbands Abfallverwertung Südhessen (ZAW).


Zum Auftakt führte Sven Gräff, Betriebsleiter des Kompostwerks Alsbach-Hähnlein, über die Anlage. Während der rund eineinhalbstündigen Führung erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den gesamten Herstellungsprozess – von der Anlieferung der Biotonneninhalte über die Aufbereitung bis hin zum fertigen Kompost. Die zahlreichen Fragen und Diskussionen zeigten das große Interesse an der praktischen Herstellung hochwertiger Komposte.

Dabei wurden auch die Herausforderungen deutlich, die mit der Qualitätssicherung verbunden sind. Insbesondere die Zusammensetzung des angelieferten Materials verändert sich im Jahresverlauf. Hinzu kommen Fremdstoffe im Ausgangsmaterial, die den Aufbereitungsaufwand erhöhen und die Herstellung eines hochwertigen Endprodukts erschweren können. Die Führung zeigte, worauf es bei der Herstellung von hochwertigem Kompost ankommt und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind.

Im anschließenden fachlichen Teil im Dorfgemeinschaftshaus stellte Tommy Schirmer vom Witzenhausen-Institut das NÖK Hessen vor. Er erläuterte, wie das Netzwerk den Austausch zwischen Landwirtschaft und Kompostwirtschaft fördert und dazu beitragen möchte, regionale Nährstoffkreisläufe zu schließen. Komposte können Nährstoffe zurück auf landwirtschaftliche Flächen bringen und durch den Aufbau organischer Substanz die Bodenfruchtbarkeit unterstützen. Damit können sie auch einen Beitrag dazu leisten, die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu stärken.

Dr. Nikolas Zöller von ISA-Gottschall knüpfte daran an und vertiefte in seinem Grundlagenvortrag die Eigenschaften, Qualität und landwirtschaftliche Eignung von Komposten. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie Komposte zur Schließung regionaler Nährstoffkreisläufe beitragen und welche Bedeutung sie für Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und die Klimaresilienz landwirtschaftlicher Böden haben. Er beleuchtete darüber hinaus die Düngewirkung von Komposten sowie ihren möglichen Beitrag zum Klimaschutz durch die Speicherung von Kohlenstoff im Boden. Auch die Kosten spielten eine Rolle: Es ging um Kompostpreise, den Wert von Kompost und die Frage, wann sich sein Einsatz für landwirtschaftliche Betriebe lohnt.

Vortrag von Martin Trischmann, Naturland-Berater

Martin Trieschmann von der Naturland-Beratung ergänzte die Veranstaltung um die Perspektive der landwirtschaftlichen Praxis. Ausgehend von einer historischen Einordnung zeigte er, dass Kompost neben einer ausgewogenen Fruchtfolge und dem Anbau von Zwischenfrüchten ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Ackerbaustrategie sein kann. Besonders großes Interesse weckte die Frage, wie gütegesicherte Komposte mit unterschiedlichen Nährstoffgehalten sinnvoll in die Fruchtfolge eingeordnet werden können. Dabei wurde auch die Stickstofffestlegung im Boden thematisiert, die bei der Auswahl des geeigneten Komposts und der Entscheidung über den passenden Einsatzzeitpunkt berücksichtigt werden sollte.

Die Diskussionen zeigten, dass das Thema auch über die Kompostwirtschaft und Landwirtschaft hinaus auf großes Interesse stößt. Unter den rund 20 Teilnehmenden waren neben Vertretenden anderer Kompostierungsanlagen auch Fachleute aus der Gewässerschutzberatung. Sie brachten zahlreiche Fragen ein und beteiligten sich intensiv am fachlichen Austausch. Dabei wurde aus der Perspektive des Gewässerschutzes insbesondere die Bedeutung eines fachgerechten Komposteinsatzes deutlich.

Die Veranstaltung machte damit deutlich, wie wichtig es ist, die Herstellung, Qualität und landwirtschaftliche Anwendung von Kompost gemeinsam zu betrachten und unterschiedliche fachliche Perspektiven einzubeziehen. Mit dem NÖK Hessen soll dieser Austausch weiter gestärkt werden, um Wissen zu vertiefen, offene Fragen gemeinsam zu bearbeiten und die Voraussetzungen für einen sinnvollen und nachhaltigen Komposteinsatz in der hessischen Landwirtschaft zu verbessern.

Hier die Vorträge zum Herunterladen:

Tommy Schirmer
Witzenhausen-Institut
Vorstellung des Projektes NÖK Hessen
Dr. Nikolas Zöller
Ingenieurbüro ISA-Gottschall
Grundlagenvortrag Kompost (Gütesicherung,
Eignung, Anwendung)
Martin Trischmann
Naturland-Beratung
Sicht der Beratung auf den Einsatz von Kompost